Übermorgenwelt-Bücher

Übermorgenwelt-Bücher

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Die Geister die mich riefen....

Jonathan Stroud

Lockwood & Co 3 - Die raunende Maske
"The Hollow Boy"

cbj
ISBN: 978-3-570-15963-7


http://www.randomhouse.de/Buch/Lockwood-Co-Die-Raunende-Maske/Jonathan-Stroud/e460966.rhd?mid=4&serviceAvailable=false&showpdf=false#tabboxLucy Carlyle, Mitglied der Agentur Lockwood & Co, ist eine sogenannte "Hörende". Ihre besondere Fähigkeit zur Wahrnehmung der Geister besteht darin, dass sie sie hören kann, während Lockwood selbst sie besser sieht und George so ein Mittelding aus beidem ist. Mit Hilfe ihrer Gaben halten sie die Geister in Schach, die seit mehr als 50 Jahren nun schon die Straßen, Häuser und Plätze der britischen Insel, insbesondere London und Umgebung heimsuchen. Fast jeder Kontakt mit den Erscheinungen kann den Tod bedeuten und nur Kinder und Jugendliche mit den Gaben haben die Chance, etwas gegen die Alben, Wiedergänger, Flimmerer, Schemen und andere Formen auszurichten. Die Arbeit nimmt für die Helden kein Ende und sie müssen sich einem Mörderpärchen in einer kleinen Pension stellen, die es ordentlich in sich hat. Über all den Stress bleibt die Hausarbeit auf der Strecke und ein neues Mitglied wird eingestellt, für den Haushalt und die Organisation der Belange der Agentur. Die "Neue" - Holly - trifft so gar nicht Lucys Geschmack, was möglicherweise auch daran liegt, dass sie zu sehr den Geschmack der beiden Jungs zu treffen scheint. Doch solche Gedanken gehören in den Hintergrund, wenn man gegen Geister antreten muss. In Chelsea herrscht eine wahre Geisterepedemie, doch Lockwood & Co wurden, im Gegensatz zu diversen konkurrierenden Agenturen, nicht um Mitarbeit gebeten. Doch auch ein "kleinerer" Auftrag in der Villa von Miss Wintergarden hat es in sich und führt die kleine Agentur an die Grenzen ihrer Möglichkeiten... und Lockwood & Co wären nicht Lockwood & Co, wenn sie nicht doch noch im "Chelsea-Problem" mitmischen würden.
Wenn sie sich dabei mal nicht übernehmen....

Nachdem wir vom 2. Teil der Reihe "Der wispernde Schädel", erschienen im letzten Jahr, noch nicht berichtet haben, überspringe ich dieses Buch mit der Bemerkung: "unbedingt lesen" und komme nun direkt zum 3. Teil der Reihe. 
Erneut erzählt Lucy Carlyle aus ihrer Perspektive die Abenteuer von der Agentur Lockwood & Co. Ihr besonderen Fähigkeiten, die wir bereits in Teil 2 kennenlernen durften, kommen erneut zum Einsatz, führen aber gleichzeitig auch zu diversen Problem. 
Der Autor der Bartimäus-Reihe setzt ungebremst die spannenden Geschichten der Geisterbekämpfer fort und fesselt den Leser mit jeder Seite des Buches. Fast wird es schwierig den immerhin 440 Seiten-Wälzer aus der Hand zu legen. Oft verspürt man ein kribbeln im Genick, wenn sich wieder eine fiese Manifestation an die Helden anschleicht. 
Das Buch ist für Kinder bzw. eher Jugendliche geschrieben und eignet sich ab 14 oder sehr mutige 12 jährige Jungen und Mädchen. Selbstverständlich ist es auch für Erwachsene geeignet, denn Stroud erzählt die Geschichte zwar gut verständlich aber nie zu simpel um langweilig zu werden. 
Abgesehen vom schönen Buchcover gibt es nur wenige weitere Illustrationen zu Beginn der größeren Kapitel, doch sind diese auch nicht notwendig, da die Fantasie durch den plastischen und lebhaften Schreibstil des Autors problemlos angeregt und der Leser so in die teilweise recht gruslige Atmosphäre des Romans hineingezogen wird. Die Bedeutung des Titels und des Covers offenbart sich mal wieder erst am Ende des Buches und erneut erschafft Jonathan Stroud einen Cliffhanger, oder zumindest hoffe ich, dass es ein Cliffhanger ist...

Wer den ersten und zweiten Teil der Reihe bereits mit Begeisterung gelesen hat, der wird auch viel Gefallen am 3. Teil finden. Wem die Reihe noch kein Begriff ist, dem rate ich, mit Teil 1 zu beginnen, auch wenn man Teil 3 dank kurzer Einleitung auch ohne Vorwissen lesen könnte. Ein Glossar am Ende des Buches ergänzt, wie immer, die ausgereifte Geschichte.


Hier noch das Cover vom 2. Teil nachgereicht.

PS: Und ja, es ist ein Cliffhanger... Teil 4 der Reihe lautet im Englischen "The Dagger in the Desk".




 
Oktober 2015, GW

Sonntag, 10. Mai 2015

Würdest du für jemanden durch die Hölle gehen?

Sarah Fine

Innerste Sphäre
Wächter des Schattenlandes I
"Sanctum"

amazoncrossing
ISBN: 978-1611099225



Lela Santos kann sich durchsetzen, aber hat wenige Freunde. Vor einigen Jahren hat sie einen Suizidversuch unternommen und wurde zurückgeholt - seitdem verfolgen sie immer wieder Albträume von einer düsteren Stadt und Kreaturen, die sie verfolgen oder beobachten. Doch dann lernt sie Nadia kennen und ihre Leben wendet sich - sind steckt sich Ziele und ist kurz davor, sie zu erreichen, als Nadia sich das Leben nimmt. In einem ihrer düsteren Träume spürt sie Nadia und sieht plötzlich diese Stadt durch Nadias Augen - Nadia ist in dieser Stadt. Abgelenkt durch die heftigen Träume stürzt Lela von einer Klippe und "erwacht" auf einer blühenden Wiese. Eigentlich fühlt sie sich gut, aber das Erinnerungstattoo an Nadia bringt Lela dazu, sich umzudrehen - dort sieht sie sie... die düstere Stadt hinter einem Tor mit Wächtern und einer Schlange von seltsamen Menschen. Sie beschließt Nadia dort heraus zu holen und zu retten, schleicht sich an den Wächtern vorbei und muss erkennen, dass es nicht leicht wird, Nadia zu finden. Nicht nur wegen der unglaublichen Anzahl an Wohnungen und Menschen, sondern auch wegen der Wächter, Aufseher und anderen düsteren Kreaturen, die die "Körper" der Menschen übernehmen stellt sich ihre Suche als Schwieriger heraus als zuerst erwartet. Doch in dem Wächter Malachi findet Lela nicht einfach nur Unterstützung bei der Suche, auch Gefühle scheinen sich zwischen den beiden zu regen und aus diesem Grund möchte Malachi Lela auch retten und, wenn es sein muss gegen ihren Willen, aus der Stadt bringen. Denn diese Stadt ist nichts anderes als die Hölle... und die Hölle ist kein Ort, an dem du sein möchtest - es sei denn, um deine beste Freundin zu retten!

Sarah Fine schildert in ihrem Roman eine spannende Sicht auf die Hölle, die mir in dieser Form noch nie unter die Augen gekommen ist. In dieser trostlosen Stadt, die immer weiter wächst und in der jeder Mensch in seiner privaten kleinen Hölle im Kopf gefangen ist, gelingt es der Autorin auch romantische Gefühle aufblühen zu lassen. Die Geschichte liest sich flüssig und hat kaum längen. Auch wenn der zentrale Teil der Geschichte im Grunde die Beschäftigung mit dem Suizid ist, kann man in dem Roman durchaus eine Liebesgeschichte mit Action-Elementen erkennen. Genau diese Kombination macht den Roman so lesenswert. Über das Ende habe ich mich etwas geärgert - das mag seltsam klingen, wenn man es gelesen hat - aber ich finde es dann doch ein wenig unpassend. Nichtsdestotrotz ein gelungener Roman für alle, die die Hölle mal mit ganz anderen Augen sehen wollen und kein Problem damit haben, sich mit den erwähnten Themengebieten zu beschäftigen!

In englischer Sprache sind auch bereits ein zweiter und ein dritter Teil zu finden... ich bin gespannt, ob und wann es die Bücher auch in deutscher Übersetzung geben wird.


Dienstag, 28. April 2015

Robinson Crusoe auf dem Mars - Gravity - Crossover

Andy Weir

"Der Marsianer"
"The Martian"


Heyne Verlag

ISBN: 978-3453315839



Ich bin so was von im Arsch.
Das ist meine wohlüberlegte Meinung.
Im Arsch.
Sechs Tage nach Beginn der vermeintlich großartigsten zwei Monate meines Lebens setzte der Albtraum ein.
Ich weiß nicht, wer dies überhaupt lesen wird. Vermutlich wird es irgendwann einmal jemand finden. Vielleicht in hundert Jahren.
Für die Akten: ICH BIN NICHT AN SOL 6 GESTORBEN. Die anderen Crewmitglieder dachten dies sicherlich, und das kann ich ihnen nicht zum Vorwurf machen. Vielleicht gibt es einen nationalen Trauertag für mich, und auf meiner Wikipediaseite kann man es nachlesen:
"Mark Watney ist der einzige Mensch, der je auf dem Mars gestorben ist."




So beginnt der SF-Roman "Der Marsianer" von Andy Weir, der die Geschichte des NASA Astronauten Mark Watney erzählt.
Kurz und prägnant in einen Satz zusammengefasst könnte man sagen, Robinson Crusoe auf dem Mars.
Aber war da nicht schon einmal so eine Geschichte? Ja richtig! Es gab da mal einen Film in den 50ern :-) :-) Nein, nicht richtig, es war 1964 als der Film "Notlandung im Weltraum" in die Kinos kam, der dann später unter dem Titel "Robinson Crusoe auf dem Mars" im Fernsehen lief. So richtig mit Freitag und allem was da sonst noch so dazugehört und die SF Filme in den 50ern und 60ern so interessant machte. Aber zurück zum Buch.
Mark Watney, Biologe und Ingenieur, Crewmitglied Nr. 6 der dritten Marsexpedition Ares III, wird von seinen Crewmitgliedern auf dem Mars nach einem Notstart zurückgelassen, da sie annehmen er sei tot. Aber dem ist nicht so.
So sitzt er nun in der Wohnkuppel auf unserem unwirtlichen Nachbarplaneten fest. Zwar funktionieren alle lebenserhaltenden Systeme, wie die Energieversorgung, Wasseraufbereitung und die Sauerstoffherstellung, aber er hat keine Kommunikationsmöglichkeit mit dem Rest der Menschheit, da die Antennenanlage zerstört ist. Am schlimmsten sind allerdings die begrenzten Nahrungsmittelvorräte. Denn eine Rettungsmission würde über ein Jahr dauern, sollte man je entdecken, dass er noch am Leben ist.
Andy Weir beschreibt nun im Stil eines Logbuchs den Überlebenskampf von Mark Watney gegen die Zeit, gegen die mörderischen Umweltbedingungen auf dem Mars (der anscheinend persönlich etwas gegen den Astronauten hat) und gegen die Tücken einer ausgefeilten aber doch anfälligen Technik. Und dies nicht nur auf dem Mars. Nachdem die NASA entdeckt hat das Watney noch lebt und dieser durch die Reaktivierung der alten Pathfindersonde wieder mit dem Rest der Welt kommunizieren kann, beginnt auf der Erde der Versuch, den Verschollenen mit allen erdenklichen Mitteln zu retten. Aber auch hier geht einiges schief.

Der Autor schafft es einerseits durch eine klare, manchmal fast schon zu technische Sprache, und andererseits durch humoristische Einlagen, den Leser zu fesseln und mit auf die lange Heimreise von Mark Watney zu nehmen. Und diese Heimreise wird nicht nur lange dauern (über 500 Marstage - auch Sol genannt), sondern um gerettet zu werden muss er zum Landegebiet der nächsten Marsmission Ares IV, und selbiges ist 3500 km entfernt.

Andy Weir, seit seinem 15ten Lebensjahr Softwareentwickler (u.a. bei Blizzard und dort bei Warcraft 2), lebt in Kalifornien und schreibt seit er 20 ist. Er verfasste zuerst nur Kurzgeschichten, z.B. The Egg (zu der es Kurzfilme bei You-Tube gibt). Für den Marsianer, seinen ersten Roman, betrieb er genaueste Recherchen zu allen technischen Details und schrieb selbst ein Programm für Bahnberechnungen.


Anfangs erschien der Roman in Abschnitten als kostenlose Serie auf seiner Homepage, doch dann war die Nachfrage so groß, dass eine Kindle-Edition im Selbstverlag für 99 Cent verkauft wurde. Nachdem der Roman die Spitze der Online SF-Romanverkäufe erreicht hatte (35.000 Exemplare in 3 Monaten), verkaufte Weir die Buchrechte an den Crown Verlag und die Filmrechte an 20th Century Fox. Am 25. November diesen Jahres soll die Verfilmung von Ridley Scott, mit Matt Damon als Mark Watney, in die Kinos kommen. Die Produzenten hoffen genauso erfolgreich wie Gravity zu werden.

Doch Obacht! Was bei Gravity mit Sandra Bullock so toll funktioniert hat, eine Odyssee im Weltraum mit allen Facetten packend auf die Leinwand zu bringen, muss bei "Der Marsianer" nicht zum gleichen Ergebnis führen. Denn Gravity erzählt seine Geschichte fast in Echtzeit. Die Robinsonade von Mark Watney in 2 Stunden zu erzählen halte ich für unmöglich.

Aber auch "Der Herr der Ringe" galt vor Peter Jackson als nicht verfilmbar.

Der Marsianer von Andy Weir, ein SF-Roman für alle die Daniel Defoe's Robinson Crusoe mochten, und mehr Science als Fiction lesen wollen, so schreibt das Wall Street Jounal: „The best pure SciFi novel in years.“ 
Von mir 9.5 von 10 Punkten.
 


16.04.2015 JR