Übermorgenwelt-Bücher

Übermorgenwelt-Bücher

Samstag, 28. Februar 2015

Steampunk meets Kloning

Scott Westerfeld

Leviathan - Die Geheime Mission
"Leviathan"

CBJ-Verlag

ISBN: 978-3570139691


Der fünfzehnjährige Prinz Aleksandar von Österreich-Ungarn muss eines Nachts mit einer Handvoll Männern und einem Läufer sein Schloss verlassen. Die Ermordung seiner Eltern in Sarajevo löst eine, für ihn ungeahnte Kette von Ereignissen aus und zwingt ihn dazu, eine abenteuerliche Flucht aus dem eigenen Land anzutreten. Dabei lernt er immerhin den Zyklop-Sturmläufer - eine große, zweibeinige Kriegsmaschine - selbst bei Nacht zu steuern. Seine Heimat - sein Land bietet ihm keine Sicherheit mehr und die Zukunft ist ungewiss, wichtig ist nur sein überleben...
Fernab auf den britischen Inseln will Deryn Sharp unbedingt wieder fliegen, wie sie es schon vor Jahren mit ihrem Vater zusammen getan hat. Sie bewirbt sich als Kadett beim Service - allerdings werden dort nur Jungen angenommen, weshalb sie verkleidet als Dylan Sharp dort zur Aufnahmeprüfung antritt. Doch kann sie den Service hinters Licht führen und endlich wieder die Lüfte erobern?
Auch ihr steht ein unglaubliches Abenteuer bevor, das mit einem Huxley beginnt, dem Leviathan weitergeht und bei dem sich plötzlich ihr Schicksal mit dem von Alek kreuzen soll.


Bereits 2010 erschien der Roman des amerikanischen Bestsellerautoren Scott Westerfeld in den deutschen Buchhandlungen und auch die Nachfolgebände "Behemoth - Im Labyrinth der Macht" sowie "Goliath - Die Stunde der Wahrheit" sind bereits verfügbar.

Wer sich beim Lesen der Kurzzusammenfassung einen Moment lang an den ersten Weltkrieg erinnert fühlte, liegt genau richtig. In der Leviathan-Trilogie vermischt der Autor einen historischen Roman und Steampunk zu einem einzigartigen Konglomerat an Wissen und Fantasie. Natürlich ist die tatsächliche historische Geschichte etwas abgewandelt, doch der Leser erfährt, ganz nebenbei, durch den spannenden Roman trotzdem einiges an Wissen über die politischen und geografischen Zusammenhänge und Hintergründe des 1. WK. Das klingt jetzt vielleicht etwas trocken - ist es aber nicht mal Ansatzweise!

Dafür sorgt nicht zuletzt der ungewöhnliche Steampunk-Ansatz des Autors, der in dieser Welt zwei übergeordnete Gruppierungen aufeinandertreffen läßt. Während Alek und Österreich-Ungarn zu den sogenannten Mechanisten gehören, deren Maschinenbaukunst unglaubliche Konstruktionen hervorgebracht haben, herrschen in Britannien die Darwinisten. 

In dieser fiktiven Welt hat bereits Darwin die Bedeutung der DNS, hier als Lebensketten bezeichnet, erkannt und die Menschen sind in der Lage, die Lebensketten verschiedener Tiergattungen miteinander zu kreuzen und neue, für sie nützliche Lebensformen zu kreieren. Hunde-ähnliche, sechsbeinige Wasserstoffschnüffler zum Beispiel kontrollieren so die Hülle der Leviathan, einem riesigen fliegenden, wasserstoffproduzierenden Wal, auf mögliche Lecks. Busse und Transportfahrzeuge in Britannien basieren ebenfalls auf Tierschöpfungen und es ist immer wieder überraschend, welche Ideen der Autor hier eingebracht hat.
Doch nicht nur die Tierkreationen sind spannend, auch die Maschinen der Mechanisten - riesige Dampfbetriebene Ungetüme, zum Teil tausende Tonnen schwer, liefern großartige Anlässe für's Kopfkino. Dass man dabei nicht ausschließlich auf die Fantasie angewiesen ist ermöglichen die wunderschönen Illustrationen von Keith Thompson, die den Leser über die gesamte Geschichte begleiten. 

Die Abenteuer der beiden Helden Alek und Deryn entwickeln sich in dem Buch parallel und der Leser wechselt regelmäßig zwischen den Orten und Geschehnissen. Dabei wird es nie unübersichtlich und die Spannung baut sich in beiden Handlungssträngen gleichermaßen auf. Schnell sind die beiden Charaktere ins Herz geschlossen und mit jeder Seite ist man dem Roman mehr und mehr verfallen. Es fällt immer schwerer das Buch wieder zur Seite zu legen und nicht auch noch das nächste Kapitel zu lesen. 
Das Jugendbuch wird vom Verlag ab 12 Jahre empfohlen und dieser Klassifizierung kann man sich bedenkenlos anschließen. Die Geschichte ist gut verständlich und leicht nachzuvollziehen, ohne simpel zu werden. Nach oben sind dem Alter natürlich keine Grenzen gesetzt und auch erwachsenen Lesern bieten dieser Roman und sicher auch die anderen beiden Bände der Triliogie, viel Stoff zum Lesen, Träumen und sogar Lernen.






Samstag, 21. Februar 2015

Aufbruch mit der Aurora



Der Flug der Aurora

Die Frontier-Saga, Band 1

Heyne-Verlag
ISBN: 978-3-453-31515-0


Die Erde. Nach einer Apokalypse, bei der sämtliche elektronischen Systeme versagten und jegliches technologische Wissen verloren gegangen ist, hat man sich dank einer Datenarche in eine neue, hoffnungsfrohe Zukunft gewagt. Doch im All lauert eine fremde, menschenähnliche und feindlich gesinnte Zivilisation, genannt Yung. Die junge Raumflotte der Erde macht sich auf in ein zweites Raumfahrtzeitalter.

Nathan Scott, der Sohn eines bekannten Senators hat, um der ständigen Presse um seinen Vater und seine Familie zu entkommen und um etwas sinnvolles zu tun eine Militärausbildung hinter sich gebracht. Zwar nicht mit Bestnoten, doch ist er glücklich, seinen Beitrag als Navigator leisten zu können. Nun wird er seinem ersten Schiff zugewiesen, doch als er seinen Dienst in der Raumflotte antreten will, leitet man ihn um. Die Aurora, eines der neusten Schiffe der Flotte, wurde erst in Dienst gestellt. Man hofft, sie kann dazu beitragen, einen interstellaren Krieg zu verhindern. Außer Nathan befinden sich viele junge Militärs, direkt von der Akademie, an Bord. Wie es sich herausstellt muss Nathan schon bald mit Cameron Taylor, eines weiteren frisch gebackenen Kadetten um den Platz des 1. Navigators kämpfen. Nathan packt der Ehrgeiz, denn die eisige Cameron, welche die Akademie mit Bestnoten abgeschlossen hat, lässt ihn in jeder Beziehung abblitzen. Sein Zimmergenosse Wladimir muss währendessen in der Technik mit zwei Wissenschaftlern fertig werden, die ein streng geheimes Projekt einbauen. Dieses wird bald schon getestet, und für die junge Crew verändert sich schlagartig alles.
Gut und flüssig liest sich Ryk Browns erster Band der Frontier-Saga. Spätestens nach dem Experiment der Wissenschaftler lässt einen der Band nicht mehr los. Ich musste erst mal drei weitere Kapitel hinter mich bringen, bevor ich das Buch dann wieder zur Seite legen konnte. Das hin und her der Charaktere hat zwar manchmal ein paar Längen, aber ansonsten passiert so viel, dass man sich daran nicht weiter stört. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es mit der Crew weiter geht und werde mich baldmöglichst auf Band 2 stürzen.

13.2.15. J. Dietrich

Ein Abbild der Aurora.

Da gibts doch zu meiner Freude auch ein Diagramm des Schiffs. Hier ist es! :o)

Sonntag, 8. Februar 2015

Gottesstrafe oder doch Verrat?




Wächter der letzten Pforte






ISBN: 978-3-944544-67-0




In der großen Schlacht am Asakon stehen sich die Ameen der Valdorer und der Tequari gegenüber. Doch beide Heere werden, ungeachtet der jeweiligen Herkunft durch eine höhere Macht?, einen Schlag des Schicksals? oder doch durch Magie und Verrat? vollständig ausgelöscht. Die einzigen Überlebenden scheinen der Knappe Liocas und die Tequari-Kriegerin Moriana zu sein. Während Liocas an göttliches Schicksal glaubt und in den beiden Überlebenden die "Lichtbringer" erkennt, ist Moriana nur auf Rache aus. Beide gemeinsam haben jedoch den Wunsch, der Ursache oder dem Schuldigen für das Massaker auf die Schliche zu kommen und begeben sich deshalb zusammen auf den Weg, der ihnen vorherbestimmt zu sein scheint.
Der Großkönig von Valdor, entsetzt vom Fall seiner Armee und überzeugt davon, dass er es hier mit Verrat zu tun hat, sucht auf seine Art nach den Schuldigen. Dabei ist unklar, ob womöglich seine Zusammenarbeit mit den yamarischen Zauberern nicht auch für das Unglück verantwortlich sein könnte.
Werden die beiden Überlebenden dem Rätsel und den Intrigen um die Schlacht am Asakon auf die Spur kommen? Schon die Zusammenarbeit gestaltet sich als schwieriger, als man vermuten möchte…

Die Autoren Henning Mützlitz und Christian Kopp haben mit ihrem Roman eine atmosphärisch dichte Welt geschaffen. Ihre Geschichte weist dabei sämtliche Elemente von moderner High-Fantasy auf. Eine epische Rettungsmission der beiden extrem verschiedenen Protagonisten, eine großartige Welt und wohldurchdachte Inhaltswechsel prägen die Handlung und fesseln den Leser zunehmend. Besonders spannend sind dabei unter anderem die Verknüpfungen von Magie und Technik und die Betrachtungen zu den  Religionen dieser Welt. Die Charaktere durchleben eine glaubhafte und nachvollziehbare Entwicklung, auch wenn mir persönlich ein wenig zu oft ein scheinbar „unbedeutender“ Charakter plötzlich doch in direktem Zusammenhang mit der Haupthandlung steht.
Durch die Entwicklung der eigenen Welt mit ihren verschiedenen Völkern, Regionen und Religionen sowie einer durchdachten Historie, wird die Geschichte greifbar. Eine eigene Karte und das Glossar mit Begrifflichkeiten und Personennamen geben dem Leser die Möglichkeit, tief in diese Welt einzutauchen. Gleichzeitig sind es aber diese Aspekte, die den Einstieg in das Buch etwas erschweren. Hin und wieder fühlt man sich zu Beginn erschlagen von Namen und Begriffen, die man noch nie zuvor gehört oder gelesen hat. Oft lassen sich diese Dinge jedoch mit der Zeit aus dem Kontext schlussfolgern und der Lesefluss wird nicht durch das Blättern im Glossar unterbrochen. 
Die Handlung wechselt zwischen verschiedenen Personen und Orten, ermöglicht dadurch dem Leser, mehr Informationen als die Protagonisten zu sammeln und so Zusammenhänge besser zu verstehen. Dabei lassen die Autoren genügend Spielraum, um die Leser zum Mitdenken anzuregen und herauszufordern. Neben logischen Verknüpfungen und familiären Zusammenhängen gibt es mehr als einmal überraschende und spannende Wendungen der Geschichte. Für mich persönlich treten die schicksalhaften Zufälle etwas zu häufig auf, aber das ändert nichts daran, dass es eine großartige, spannende und mitreißende Geschichte ist, in denen die Charaktere dem Leser ans Herz wachsen. Das Ende schreit, meines Erachtens, geradezu nach einem 2. Teil und ich hoffe sehr, bald mehr über die Helden und Hintergründe dieser Welt erfahren zu können. 

Der Autor Henning Mützlitz stammt aus Hofheim im Taunus und studierte Politikwissenschaften in Marburg. Neben der Mitarbeit bei verschiedenen Zeitschriften, verfasst er auch Artikel für Sachbücher und unterhaltende Belletristik. Bekannt ist er unter anderem für Bücher der Reihe "Das schwarze Auge" oder auch seinen Beitrag in der preisgekrönten Steampunk-Anthologie "Eis und Dampf". Mit Christian Kopp verfasst er bereits zusammen den Roman "Das Zepter des Horas".

Der aus Frankenberg/Eder in Hessen stammende Autor Christian Kopp ist seit jungen Jahren ein Freund von Mythologie und Phantastik und ein begeisterter Pen&Paper-Rollenspieler. Der heute als Lehrer für Deutsch und Geschichte arbeitende Christian Kopp teilt mit Henning Mützlitz nicht nur ähnliche Interessen sondern auch die Schul- und Studienzeit. "Wächter der letzten Pforte" ist das 2. gemeinsame Buch der phantastischen Autoren.