Übermorgenwelt-Bücher

Übermorgenwelt-Bücher

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Es weihnachtet sehr!






„All überall auf den Tannenspitzen
sah ich goldene Lichtlein sitzen …“

Wer kennt das nicht?
Erneut liegt uns mit Theodor Storms „Knecht Ruprecht“ ein Klassiker vor. Ein Weihnachtsklassiker, zur rechten Zeit vor dem Advent herausgegeben vom Kindermann Verlag in seiner Reihe „Poesie für Kinder“.

Die Gedichtzeilen von 1862 werden einmal mehr von unglaublich detailreichen Zeichnungen des bekannten Illustrators Klaus Ensikat begleitet, dessen Stil auch hier wieder wunderbar zur jener Zeit passt.
Zu jener Zeit? Weit gefehlt. Um das Gedicht Kindern näher bringen zu können lässt Ensikat Knecht Ruprecht in unserer heutigen Zeit durch einen Ort im vorweihnachtlichen „Rummel“ ziehen, genauso, wie wir es alle nur zu gut kennen. Mit einem Weihnachtsmarkt und vielen Menschen, die mal ernst, mal belustigt, mal skeptisch, aber meistens unbeteiligt dem Fremden im roten Mantel und dem großen Sack hinterherschauen. Überhaupt sind es die dargestellten Menschen, die einen in den Bann ziehen, die Gesichter der Erwachsenen und vor allem auch die der Kinder. Darin ist nichts verklärt, man sieht Neugierde, Staunen, Lachen, aber auch freches Grinsen, Misstrauen oder gar Ablehnung, Szenen, nah an der heutigen Wirklichkeit.
Ganz besonders fällt der allzu menschliche Gesichtsausdruck Knecht Ruprechts auf, er ist nicht entrückt oder erhaben und grimmig schaut er nur die Rute an. Dieser Knecht Ruprecht, in unsere Zeit versetzt, ruft keine Angst hervor, keine Ehrfurcht, er trägt gestrickte Handschuhe mit einem netten Schneeflockenmotiv in Pastellfarben und wird manchmal von paar Spatzen durch die Straßen begleitet.

So gibt es sehr viel zu entdecken in diesem Buch für Kinder, aber auch für Erwachsene. Ensikats Bilder lassen einen zuweilen schmunzeln, machen aber auch nachdenklich. „Knecht Ruprecht“ eignet sich gut, um es mit seinen Kindern zusammen anzuschauen und dabei das Gedicht vorzulesen, so dass sie die Zeilen nicht (nur) auswendig lernen (und erst später vielleicht auch mal als sprachlich schön begreifen), sondern mit der alten Sprache etwas Lebendiges, z.T. auch Lustiges, durchaus ins Heute Versetzbares verbinden können. So aufbereitet werden Groß und Klein an Theodor Storm Spaß haben und gleichzeitig eine weihnachtliche Stimmung verspüren können, die aus den bekannten ersten Zeilen des Gedichtes ungebrochen strahlt: „Von drauß vom Walde komm ich her …“
Mit diesem Walde, wahrlich phantastischen und wundervoll illustriert, beginnt auch das Buch, am Ende gibt es kompakte Informationen zu Theodor Storm, Knecht Ruprecht und Klaus Ensikat, eine ganz runde Sache.
Wer also noch auf Geschenkesuche ist: ein sehr schönes, außergewöhnliches und empfehlenswertes Werk, auch für Erwachsene!
Ich jedenfalls habe durch das Buch, dank der Umsetzung durch Klaus Ensikat, beide neu und wiederentdeckt: Theodor Storm und den Knecht Ruprecht.


01.12.2016
GH

Dienstag, 15. November 2016

Mars für Kinder

(Band 1)



ISBN 9783404243327



Der Mars im Jahr 2068: Die Kinder der Marsforscher haben ihr Leben in der Kolonie auf dem roten Planeten verbracht, manche sind sogar dort geboren. Doch dann soll das Marsprojekt beendet werden. Trotz des Aufschreis der Forscherkolonie laufen die Vorbereitungen für die Stilllegung des Projekts an. Die vier Kinder sind geschockt. Wenn sich die Menschheit vom Mars zurück zieht, werden sie nie wieder an den Ort ihrer Kindheit zurückkehren können. Dann stellt sich auch noch heraus, dass die Jüngste, Elinn, auf der Erde nicht überleben könnte. Aufgrund ihrer frühen Geburt und der darauffolgenden Entwicklung sind ihre Lungen nicht in der Lage, sie auf der Erde entsprechend zu versorgen. Sie würde die Freiheit des Mars gegen ein lebenslanges Gefängnis auf einer Raumstation eintauschen müssen. Die Kinder, allen voran Elinn, schmieden Pläne, um auf dem Mars bleiben zu können. Doch dann machen sie eine unglaubliche Entdeckung...

Ein spannender Jugendroman von Andreas Eschbach, der bekanntermaßen fachlich gut recherchierte Zukunftsromane schreibt. Auch hier macht er keine Ausnahme und spannend liest sich das Ganze auch noch. Das Ende macht Lust auf die weiteren Bände. Wer Interesse hat sollte allerdings antiquarisch danach suchen, immer wieder ist die Reihe vergriffen. Über entsprechende Quellen sollte man jedoch gut herankommen.




6.11.16 J.D.


Freitag, 11. November 2016

Überleben allein ist unzureichend

Emily St. John Mandel 

Das Licht der letzten Tage 



Piper 

ISBN: 9783492060226 



Vielleicht heute: In einem Theater stirbt ein Schauspieler während der Aufführung zu Shakespeares "King Lear" an einem Herzinfarkt. Ein Mann versucht ihm zu helfen, doch vergeblich. Auf dem Heimweg bekommt er einen beunruhigenden Anruf von einem Freund aus dem Krankenhaus. Er reagiert darauf auf seine Art... 

Irgendwann in der Zukunft: Eine Pandemie ist über die Menschheit hinweg gefegt. Nach einer Sterblichkeitsrate, die bei 99 % lag, ist von der Zivilisation nicht mehr viel übrig. Ein paar leidenschaftliche Musiker und Schauspieler haben sich als Wandertruppe zusammen geschlossen und ziehen, ca. 20 Jahre nach dem Geschehen, von Ort zu Ort, durch eine zerrüttete und zerstörte Welt. Eine von ihnen ist Kirsten, die beim Ausbruch des Virus noch ein Kind war...





Ein ungewöhnliches Buch! Eigentlich das Thema Post-Apokalypse – es wird jedoch, in Rückblenden der Vergangenheit und in Sequenzen des aktuellen Geschehens, das Leben unterschiedlicher Personen erzählt - was dem Ganzen etwas die Düsternis nimmt. Dabei geht es im Grunde um Menschen, die alle an irgendeinem Punkt das Leben des verstorbenen Schauspielers berührt haben. Auch das Leben dieses Mannes wird in wiederkehrenden Sequenzen erzählt. Der Leser erfährt nach und nach die Zusammenhänge der Personen, von denen sich manche nun, immer noch irgendwie gebunden an diesen Mann und ihre Begegnungen mit ihm, durch die düstere Zukunft kämpfen. Am Beispiel des Lebens des Schauspielers wird der starke Gegensatz zum Leben der Menschen nach der Apokalypse deutlich. Und man gerät in einem, dem Leser gestellten Rätsel, schnell auf die falsche Spur. Am Ende wird dieses aufgelöst und man merkt, wie leicht es ist, in guten Menschen Niedertracht zu sehen. Das Cover hat mich persönlich neugierig gemacht, ebenso wie der Titel, der auf den poetischen und ruhigen Schreibstil der Autorin hinweist. Das nichtsdestotrotz auch spannende Buch macht dabei Hoffnung auf die Fähigkeit der Menschen, auch im Angesicht des Niedergangs der menschlichen Zivilisation wieder Kraft für einen Neuaufbau zu finden. Hierbei soll auch der Satz nicht ungenannt bleiben, den sich die wandernde Symphonie als Leitsatz auf den Pferdewagen geschrieben hat, und der sympatischerweise aus Star Trek (Voyager) stammt: 
Überleben allein ist unzureichend



11.11.16 J. D.

Montag, 31. Oktober 2016

Das Licht der Toten

Kai Meyer


Phantasmen


Carlsen-Verlag
ISBN: 978-3-551-58292-8


Rain -19 und Emma -17 Jahre alt,  möchten Abschied nehmen... von ihren Eltern, die 3 Jahre zuvor bei einem Flugzeugabsturz um's Leben kamen. Ihre Reise führt die beiden Mädchen deswegen an den Unglücksort mitten in der Wüste, um ihre Eltern noch einmal zu treffen. Auch wenn es im ersten Moment unglaublich erscheint, doch seit einigen Jahren tauchen die Geister der verstorbenen am Ort ihres Todes wieder auf... und es werden immer mehr. Vom Zeitpunkt des ersten Auftretens an, erscheinen nicht nur die neuen Verstorbenen, sondern auch rückwirkend die Geister des identischen Zeitraums vor dem Ereignis. Dadurch konnten die Mädchen berechnen, wann die Geister des Flugzeugabsturzes ihrer Eltern erscheinen werden. Die Erscheinungen leuchten vom Moment ihres Auftauchens im Geisterlicht, so dass es an manchen Orten mittlerweile ständig taghell ist... und sonst passiert normalerweise nichts. Doch als Emma und Rain endlich ihre Eltern als Geister wiedersehen, verändert sich etwas... die Geister, alle Geister,  lächeln... und es ist ein böses Lächeln.


Ein phantastischer Roman von Kay Meyer, der es in sich hat. Die mitreißende, etwas gruselige Story zieht den Leser in ihren Bann.
Die Geschichte ist aus dem Blickwinkel von Rain verfasst, die nicht nur versucht, in einem Endzeitszenario mit ihrer Schwester zusammen zu überleben, sondern sich auch noch plötzlich auf der Suche nach dem Grund für die Geistererscheinungen befindet. Die beiden Protagonistinnen tragen beide diverse Lasten ihrer Vergangenheit mit sich herum. Während Rain ein Trauma von einer Reise in sich trägt, dass sie immer wieder verfolgt, ist ihre Schwester Emma schon immer etwas besonders gewesen und hat sich seit dem Tod der Eltern noch weiter zurückgezogen. Kai Meyer gelingt es sehr gut, die Geschichte und Interaktion der Jugendlichen miteinander und mit der besonderen Situation spannend zu erzählen. Der Plot ist, auch wenn er durch die Geister der Toten sehr phantastisch klingen mag, durchaus spannende Thriller-Lektüre für Leser, die sonst die Phantastik eher meiden. Natürlich ist es nicht nur der Gesichtsausdruck der Geister, der sich verändert sondern damit einher geht eine weitaus schwerwiegendere Veränderung, die ich aber nicht vorwegnehmen möchte. Die Handlung aber auch der tolle Schreibstil von Kai Meyer lohnen es, sich das Buch zu Gemüte zu führen!
Das Titelbild des Hardcovers ist genial und hat mich in meiner Stammbuchhandlung sofort angesprochen. Die neuere lila-Version gefällt mir nicht mehr ganz so gut - aber zum Glück, hat das keinen Einfluss auf den großartigen Inhalt!
Kai Meyer hat bereits mehr als 50 Titel veröffentlicht und zählt aktuell zu den bedeutendsten deutschen Phantastikautoren. Dies stellt er erneut mit "Phantasmen" unter Beweis. Völlig zurecht erhielt Kai Meyer den Seraph 2013 und 2015 für seine Bücher "Asche und Phönix" bzw. "Die Seiten der Welt" neben weiteren Preisen und unzähligen Nominierungen, unter anderem auch für den Deuschen Phantastikpreis... der ist sicher nur eine Frage der Zeit :) 

Der Roman ist uneingeschränkt zu empfehlen. Aus meiner Sicht eignet er sich dabei besonders ab einem Alter von 16 Jahren. Inhaltlich kann er aber problemlos schon ab 14 gelesen werden.

Wer einmal reinlesen möchte, hier gibt's eine Leseprobe.

16.10.2016
G. Winter

Freitag, 21. Oktober 2016

Jobbeschreibung: Plötzlich Tod...

Christopher Moore

Ein todsicherer Job
"A dirty Job"

Goldmann-Manhattan
ISBN:978-3-442-54225-3



Charlie Asher ist ein fahriger und nervöser Typ, immer etwas durch den Wind und eigentlich trotzdem mit einem guten Leben. Dann stirbt seine Frau im Krankenhaus kurz nach der Geburt ihrer Tochter - und Charlie ist plötzlich alleinerziehender Vater und Witwer. Doch das ist noch nicht alles, was in dieser Nacht sein Leben auf den Kopf stellt. Nachdem auf einmal Menschen in seiner Umgebung tot umfallen und er Gegenstände leuchten sieht, möchte er am liebsten seine Wohnung nicht mehr verlassen. Über kurz oder lang klärt sich aber die Situation etwas - Charlie ist nun einer der Stellvertreter des Todes und soll Seelenschiffchen sammeln. Selbige dürfen nämlich nicht in die Hände der "dunklen Mächte" fallen, denn die möchten gern wieder die Herrschaft auf der Erde und den Platz des Todes übernehmen. Gevatter Tod nämlich ist schon seit geraumer Zeit nicht mehr selbst am Ball. So muss Charlie jonglieren, seinen Laden, seine Tochter und seinen neuen Job in Einklang bringen und verhindern, das weitere Seelenschiffchen in die falschen Klauen fallen... Keine leichte Angelegenheit!

Nicht leicht für den Protagonisten, aber humorvoll wie eh und jeh. Christopher Moore ist bekannt durch die Geschichte von Jesus' Jugendjahren in "Die Bibel nach Biff" und bewies dort eindrucksvoll seine humoristische Seite. Selbige bewegte mich auch zum Erwerb von "Ein todsicherer Job" und ich wurde nicht enttäuscht. Erneut präsentiert Moore ein Feuerwerk an Gags und Sprüchen auf nahezu sämtlichen Seiten seines Romans. Dabei gelingt es ihm jedoch, das sehr emotionale Thema des Sterbens trotzdem mit dem gebührenden Respekt und großer Sensibilität zu betrachten. Alle Charaktere neben Charlie Asher, z.B. seine Angestellten oder seine Schwester, aber auch die fiesen "Gullyhexen" sind großartig gezeichnet und bieten viel Gelegenheit, auch einfach mal herzhaft über ein Thema zu lachen, bei dem eigentlich den Wenigsten zum Lachen zumute ist. Und eben weil in diesem Buch geniale Komik und stille Sensibilität mit großem Einfühlungsvermögen so mühelos von Moore kombiniert werden, kann ich es uneingeschränkt weiterempfehlen. Der Schluss ist in Teilen etwas vorhersehbar, aber in dieser Geschichte ist ohnehin der Weg das Ziel.
Weiterhin ist das Buch frühestens ab 14, eher ab 16 Jahren und natürlich darüber zu empfehlen. Für jüngere Leser ist der Humor sicher doch zu erwachsen.

Christopher Moore ist indes nicht untätig und hat mittlerweile sogar schon (bzw. endlich, denn die Erstausgabe von "Ein todsicherer Job" erschien bereits 2006 in Deutschland) den Folgeroman am Start, einmal abgesehen von seinen anderen Geschichten. Am 22.8.2016 erschien "Ein todsicherer Plan" in den Buchläden... wenn das mal kein Grund ist, sich direkt zwei neue Bücher anzuschaffen... ;)


16.10.2016
G. Winter

Mittwoch, 19. Oktober 2016

Eine Diebin, ein Ziel und viele Hindernisse mit spannender Wendung

Henning Mützlitz


Wächter-Chroniken 1 - Die Königin von Mesoth


Papierverzierer Verlag

(aktuell noch als E-Book und demnächst mit den anderen Chroniken dann auch in gebundener Form)



Shanti möchte als Königin der Diebe in die Geschichte eingehen und will dazu nichts geringeres als

die Uriasscheibe von Dessalia stehlen. Dieses magische Insignium der Macht liegt natürlich gut gesichert im Turm einer Zitadelle. Doch als zukünftige Königin der Diebe ist Shanti vorbereitet, geschickt und fähiger als ein normaler Durchschnittsdieb. 
Leider wendet sich ihr Glück und sie wird nicht nur gefasst, sondern muss auch dem vermeintlich sicheren Tod ins grausige und kalte Antlitz blicken. Wendungen, unausweichliche Entscheidungen und wechselnde Fronten bestimmen ab da an ihren Weg und ihr Leben wird vollkommen auf den Kopf gestellt.

Henning Mützlitz verfasst in der Novelle "Die Königin von Mesoth" einen ersten Teil der Ergänzungen bzw. Vorgeschichten zu den "Wächtern der letzten Pforte". Weitere Teile, verfasst durch weitere namhafte Autoren, z.B. Christian Kopp, Stefan Schweikert, Judith und Christian Vogt oder Christian Lange, liegen ebenfalls bereits vor oder aber werden demnächst beim Papierverzierer Verlag veröffentlicht. In diesem ersten Band nun erfahren wir etwas über den Werdegang der Diebin "Shanti" mit ihrem lebensverändernden Abenteuer in Mesoth.  
In der Kürze liegt die Würze, könnte man sagen, denn trotz der verhältnismäßig geringen Seitenzahl hat die 7 Kapitel umfassende Handlung es außerordentlich in sich. Der Schreibstil von Henning Mützlitz zieht die Leser in die Geschichte und lässt sie mit den Protagonisten mitfiebern. Es gibt keine Längen - im Gegenteil... fast möchte man rufen: Mehr davon! Ich hatte sogar am Ende den Eindruck, dass die Schaffenskraft und Kreativität des Autors evtl. durch ein Seitenlimit eingeschränkt wurde? Für mein Gefühl war da noch mehr Potential, dass dann zu Gunsten eines zügigeren Endes ausgebremst wurde.
Aber vielleicht ist hier auch einfach der Wunsch der Vater des Gedanken...viel zu schnell kommt das Ende und der Abschied von Shanti und ihren neuen Freunden. Deswegen wünscht man sich einfach noch mehr Geschichte... nur noch ein paar Seiten mehr... Bitte! :)
Wie auch schon zu den "Wächtern der letzten Pforte" gibt es ein durchaus nützliches Glossar am Ende des digitalen Buches. Hier kann der geneigte Leser die vielen Bezeichnungen und Begriffe nachschlagen, die, wie oft bei High-Fantasy üblich, für diese besondere Welt von den Autoren kreiert wurden. Gleichzeitig ist es aber möglich, die Geschichte ohne Kenntnisse aller Begriffe zu erfassen und kontinuierlich, ohne nachschlagen zu müssen, zu genießen.
Die verzwickte Frage, die sich stellt: muss man die "Wächter der letzten Pforte" vorher gelesen haben oder besser nicht?
Diese Frage kann ich mit einem klaren Jaein beantworten. Wer gute High-Fantasy lesen möchte, kann sich einfach aussuchen, womit er anfangen will. Aus meiner Sicht ist es geschickter, den Roman vor den Chroniken zu lesen, da Shanti ohne diese Vorgeschichte dort noch ein paar Geheimnisse für sich behält. Gleichzeitig bin ich mit aber sicher, das es den Lesespaß nicht trüben wird, wenn ihr die Wächter-Chroniken quasi als "Appetizer" für den Eintritt in diese großartige High-Fantasy Welt betrachtet.
Das Cover stellt eine Abwandlung des Titelbildes der "Wächter der letzten Pforte" dar, nur eben mit dem Zusatz eines Bildes der weiblichen Protagonistin. Das Bild spricht mich persönlich nicht so richtig an und demzufolge hätte das Cover mich auch nicht zum Kauf animiert. Die Dame wirkt etwas fehl am Platz, das geheimnisvolle der schwarzen Sonne geht unter und die Illustration gibt mir eine Vorgabe vom Aussehen des Charakters, das in meinem Kopf  bereits Gestalt angenommen hatte.
Aber!! Betrachtet ihr die weiteren Bilder der Chroniken-Bänder stellt sich heraus, dass dort immer ein Charakter - vermutlich der/die entsprechende Held/in - den Weg auf den Titel geschafft hat. Dadurch entsteht eine tolle visuelle Verbindung zwischen den Novellen, die mir (abgesehen von der Umsetzung) gut gefällt. Und nach weiterer Recherche musste ich feststellen, dass mir die Titelbilder in schwarz-weiß deutlich besser gefallen... bildet euch selbst eine Meinung und seht es euch unter waechterchroniken.wordpress.com einfach einmal an.

Fazit: Eine tolle High-Fantasy-Novelle mit viel Inhalt auf (leider) wenigen Seiten, einer spannenden Handlung, tollen Protagonisten und fesselndem Schreibstil. Ein definitives Muss! für all jene, denen die "Wächter der letzten Pforte" bereits gefallen hat und gleichzeitig ein möglicher Einstieg in die umfangreiche Welt des Romans! Man darf gespannt sein, was Henning Mützlitz und seine Wächter-Chroniken-Autoren-Kollegen noch alles zu bieten haben!




Die Rezension zu den "Wächtern der letzten Pforte" ist hier zu finden.


19.10.2016
G.Winter

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Wenn wir den Fokus verlieren....

William Sutcliffe

Concentr8

rowolth rotfuchs
ISBN: 978-3-499-21739-5


Sie haben die Concentr8-Lieferung eingestellt. Seit Jahren wird das Medikament in London unter den verhaltensauffälligen Jugendlichen verteilt und dann von einem Tag auf den anderen versiegt der Nachschub. Daraufhin brechen Aufstände in der Stadt aus. Die 5 Jugendlichen, Troy, Femi, Lee, Karen und Blaze sind eigentlich nicht auf Ärger aus, doch dann entführen sie spontan einen Mitarbeiter des Bürgermeisters und halten ihn für 6 Tage in einem alten Lagerhaus gefangen. Wie kommen sie da wieder raus - oder, ist das überhaupt wichtig? Hat die Gesellschaft sie nicht sowieso schon abgeschrieben?


In Concentr8 betrachtet William Sutcliffe eine Zukunft, die nicht unbedingt weit entfernt von der Realität sein könnte. Eine übertriebene Darstellung der Wirklichkeit, die eigentlich wenig mit phantastischer Literatur in Zusammenhang steht - oder - hoffentlich doch steht! Trotzdem möchte ich das Buch gern vorstellen, da ich es als lesenswert erachte. Thematisiert wird hier zum einen der Umgang mit ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung), bzw. eigentlich die Behandlung mit dem Medikament Ritalin oder hier dem fiktionalen Pharmazeutikum namens Concentr8. Auf der anderen Seite steht der Einblick in die Psyche oder Gedankenwelt der jugendlichen Protagonisten. Die Geschichte wird jeweils aus der Ich-Perspektive der verschiedenen Charaktere erzählt und aufgebaut. Neben den Kindern erfährt der Leser so auch die Gedanken und die Wahrnehmung der Geisel, dem Bürgermeister oder einer Journalistin. Als spannendem Aspekt gibt Sutcliffe jedem Charakter seinen eigenen Sprachstil und seine eigene Ausdrucksweise. In einigen Fällen überschneiden sich die Erlebnisse in den Beschreibungen der Protagonisten. Hier erhält man einen direkten Vergleich zwischen Selbstwahrnehmung und der Wahrnehmung durch andere Menschen.  
Zusätzlich beginnt jedes Kapitel mit Auszügen aus Literatur, Interviews oder Twitterkommentaren zum Thema Ritalin und ADHS - in diesem Fall nicht fiktiv. 
Ein wenig bekommt man den Eindruck, dass Buch sei direkt als Schulstoff verfasst - die Möglichkeiten zur Diskussion mit Jugendlichen zu den Themen Gewalt, Zukunftsperspektiven oder auch dem pauschalen Einsatz von Medikamenten bietet sich geradezu an. Fast scheint es, als hätte der Autor es aus eben diesem Grund überhaupt nur geschrieben. Tatsächlich lohnt sich der Roman aber gerade aus diesem Grund, auch wenn es für manch einen im ersten Moment abschreckend klingt. Ich hatte mich selbst bisher kaum mit ADHS beschäftigt und auch noch keinen Kontakt zu den kritischen Betrachtungen, auf die man durch Concentr8 gestoßen wird. Man beginnt fast automatisch selbst ein wenig zu recherchieren, sollte man zumindest, denn Hintergrundinformationen sind im Buch rar gesät.
Gleichzeitig ist mir hier aber die Betrachtung der Anwendung von Ritalin/Concentr8 zu einseitig kritisch. Neutrale oder gar positive Einblicke in die Anwendung sucht man vergeblich. Bleibt zu hoffen, dass dieses Buch die Leser immer zu gesundem und logischem Nachdenken anregt, denn die Kritik ist stellenweise schon fast wieder zu platt eingesetzt.
Ob die Jugendlichen wirklich über ihre eigene Zukunft reflektieren, wie es hier zum Teil die einzelnen Charaktere tun, ist eine spannende Frage, die man am besten mit ebendiesen diskutiert. Ich denke, diese Buch lebt vom Austausch mit anderen Lesern und  aus genau diesem Grund kann ich es mir sehr gut im Schulunterricht vorstellen. 

Zu Recht nominiert für den YA Book Prize und die Carnegie Medal 2016 kann ich das Buch als spannende, gesellschaftskritische Literatur für Jugendliche ab 15 und natürlich Erwachsene empfehlen - mitdenken vorausgesetzt.  

G.W. 11.10.2016

Freitag, 7. Oktober 2016

Teenagerprobleme der besonderen Art

Derek Landy

Demon Road - Hölle und Highway

Loewe Verlag
ISBN: 978-3-7855-8508-5


Welcher Teenager hat nicht hin und wieder Probleme mit seinen Eltern? Amber ist nun gerade 16 Jahre alt und stellt mit ihren elterlichen Schwierigkeiten jede Vorstellung dahingehend in den Schatten... im wahrsten Sinne des Wortes. 
Das ihre Eltern anders sind, irgendwie seltsam und unzugänglich, ist für Amber eigentlich schon Alltag. Nach einem schlechten Tag in der Schule, an dem ihre Eltern zur Direktorin gerufen wurden und einem ebenso schlechten Erlebnis in ihrem Job im Imbiss, wird sie auf ihrem Heimweg auch noch von zwei Typen verfolgt. Die Situation eskaliert und endet mit großem Überraschen zu Ambers gunsten. Über diese Auseinandersetzung würde sie gern noch mit ihren Eltern sprechen, aber die haben ihre Freunde zum Abendessen eingeladen und sind noch dazu zwar außergewöhnlich freundlich zu ihr aber nicht besonders gesprächig.
Leider endet der Abend für Amber mit der Feststellung, dass ihre Eltern offensichtlich Dämonen sind, die ihre Tochter zum Fressen gern haben. Es beginnt eine wilde Flucht quer durch die USA. Zusammen mit Milo und später auch Glen befährt sie die Demon Road, die schwarzen Strassen, die die dunkelsten, dämonischsten Orte unsichtbar miteinander verbindet. Sie suchen Hilfe bei Serienmördern und treten gegen Vampire an, um einen Pakt mit einem der mächtigsten Dämonen der Unterwelt zu erfüllen und zu überleben. Ganz nebenbei muss Amber auch damit klar kommen, dass sie selbst ein Dämon ist - mit entsprechenden Vorzügen und Schwierigkeiten. Kein leichtes Unterfangen... 

Derek Landy will es wieder wissen. Nach dem großen Erfolg mit seiner Skulduggery Pleasant Reihe will er nun mit einer neuen Protagonistin die Leser an seine Bücher fesseln. Als Skulduggery-Fan dauerte es also nicht lang, bis ich nach dem Erscheinen das Buch in meinen Händen halten durfte. 
Ganz im bisherigen Stil von Derek Landy liest sich Demon Road kurzweilig und spannend. Es fällt schwer, dass Buch zur Seite zu legen und auch langatmige Textpassagen sucht man vergebens. Leider aber auch den wunderbar sarkastischen Wortwitz, der die Dialoge zwischen Skulduggery und Stephanie so beliebt gemacht hat. Eine schüchterne Schülerin / Dämonin, ein schweigsamer auto-besessener Helfer und ein nerviger, ununterbrochen quasselnder Mitreisender sind da nicht unbedingt die ideale Kombination. Die Sprüche sind eher platt als komisch. Zusätzlich hat der "Splatter"-Faktor in Demon Road zugenommen. Es fließt viel Blut, auch wenn sich die Beschreibungen in Sachen Details noch gerade so im Rahmen halten. Landy gelingt es immer wieder, die brutalen Szenen schnell wieder zu neutralisieren. Die Geschichte zielt also, meiner Ansicht nach, nicht darauf ab Blut und Gewalt ins Zentrum zu rücken, aber es sind wichtige und häufige Mittel der gesamten Handlung. Aus diesem Grund würde ich den Roman auch eher ab einem Alter von 16 Jahren empfehlen.
Das Cover des Buches ist nett, reißt aber nicht direkt vom Hocker und hätte mich ohne den Namen des Autors vermutlich nicht zum Kauf animiert. Ich bin gespannt, ob eine graphische Verbindung zum zweiten Teil gelingt, damit die Bücher auch im Regal etwas "hermachen".
Wer bei Demon Road den humoristischen Anteil von Skulduggery Pleasant erwartet, wird vermutlich eher enttäuscht - zumindest mir ging es so. Davon abgesehen liest sich der Roman grandios und Derek Landy gelingt es erneut, dem Leser sein Buch in die Hände zu kleben. Ich möchte wissen, wie es mit Amber weitergeht - denn aus dem Schneider ist sie am Ende dieses ersten Buches ganz und gar nicht.
Im Englischen erscheint nach "Desolation" (Teil 2) nun bereits der 3. Teil "American Monsters" - demnächst also viel neuer Lesestoff für Landy-Fans :)
  
07.10.2016
G.Winter

Sonntag, 18. September 2016

Freiheit im Æther

Samantha Shannon

The Bone Season
Die Träumerin
(Band 1)



Bloomsbury Berlin (Piper Verlag)

ISBN: 9783827011718



London, 2059: Paige Mahoney ist eine außergewöhnliche junge Frau und ihr Posten in der Londoner Unterwelt gibt ihr Macht und Schutz. Diese Sicherheit haben wenige ihrer Art. Denn Paige ist eine Seherin und dazu noch eine sehr Mächtige. Als Traumwandlerin kann sie andere Seher spüren und überwacht so deren Aktivitäten für ihren Arbeitgeber, den Herrn ihres Syndikats: Den Denkerfürsten Jaxon Hall. In einem London, das von der mächtigen Inquisition der Republik von SCION beherrscht wird, werden alle Absonderlichen wie sie gnadenlos verfolgt und getötet. Nur wenige arbeiten für die NVD (Night Vigilance Division) um andere Seher im Namen der SCION Regierung zu fangen. Nicht mal die engsten Angehörigen dürfen von dieser Gabe wissen. Als Paige eines Abends später als gewöhnlich ihren Heimweg mit der U-Bahn antritt, gerät sie in eine Kontrolle des NVD. Derart in ihrem Leben bedroht nutzt sie ihre Gabe zum ersten Mal dazu Menschen anzugreifen. Am Ende ist einer der Beamten tot, der andere in den Wahnsinn getrieben. Paige flieht in die Wohnung ihres Vaters und bittet Jaxon um Hilfe. Doch der Denkerfürst ist mehr angetan von ihrer neuen Fähigkeit als dass er ihre Bedrohung erkennt und bevor ein Kontaktmann Paige in Sicherheit bringen kann, stürmen schon Truppen die Wohnung ihres Vaters. Paige versucht über die Dächer zu entkommen, dennoch wird sie von den seltsamen Verfolgern, die nicht dem NVD anzugehören scheinen, gefasst. Nach einer grauenvollen Haft im Tower bringt man sie mit anderen Sehern und einem amaurotischen Jungen - einem gewöhnlichen Menschen, zu ihrer Überraschung nicht um. Sie und die anderen Gefangen werden von den mysteriösen, gefühllosen und unglaublich mächtigen Rephaim im ansonsten verlassenen Oxford als Sklaven gehalten. Sie müssen brutale Tests durchlaufen. Wer sie besteht wird zur Rotjacke ernannt und muss als solche die Emim jagen, grauenvolle Bestien die sowohl die Rephaim als auch die Menschen bedrohen. Wer in den Tests versagt landet in der Hüttensiedlung und muss als Akrobat am Rande des Verhungerns für die Unterhaltung der mächtigen Wesen dienen. Paige wird einem geheimnisvollen Rephaim Namens Arcturus Mesarthim unterstellt. Sie lehnt sich gegen ihr neues Schicksal auf, doch Nashira, die Herrin der Rephaim lechzt danach, die Gabe einer Traumwandlerin in sich aufzunehmen und deren Geist zu versklaven. Wie lange kann Paige ihr Können vor ihr verheimlichen? Und was will Arcturus, ihr unberechenbarer Hüter wirklich? 



Samantha Shannon legt mit ihrem Erstlingswerk ein unglaublich detailliertes und vielschichtiges Fantasy-Werk vor. Der Geschichte zugrunde liegt eine Welt, die unserer zwar ähnelt, sich jedoch  schon in ihrer geschichtlichen Entwicklung von dieser unterscheidet. So bietet das noch in vielen Teilen viktorianische London und weitere Aspekte der Geschichte auch für Steampunk Fans einen guten Zugang. Die komplexe Erzählung hat mich sofort in ihren Bann gezogen und die Hauptfigur sowie ihr Umfeld sind spannend und gut ausgearbeitet. Umfangreiche und ausführliche Hintergrundinformationen liegen im Anfang und Ende des Buches bei: Karten der Orte und Übersichten zu den Kasten der Seher sowie ein Glossar zu den vielen Fremdwörtern. Womit mein einziger wirklicher Wermutstropfen genannt wäre: Begriffe wie Amaurotiker, Oneiromant, Mesopelagialzone, Astragalomant, usw. sind im Buch doch recht häufig. Ich möchte fast sagen, das sich ein Mediziner hier recht wohl fühlt mit den vielen lateinisch-stämmigen und medizinischen Begriffen. Ich für meinen Teil muss eine Weile darauf herum kauen, bevor sie für mich leichter zu lesen sind. Auch macht es die Komplexität der Geschichte Anfangs etwas schwer ihr zu folgen. Sprachlich bewegt sich die Autorin auf einem hohen Niveau, was heutzutage schon fast selten ist (mir gruselt es vor manchem was da auf den Spiegel-Bestsellerlisten rumgeistert). Das mag aber nicht überraschen, hat die junge Autorin (ca. 25) doch in Oxford Literatur studiert. Ich habe mir auch gleich den zweiten Band gesichert und werde hoffentlich alsbald auch darüber einen Beitrag hinterlassen. Wir können uns auch auf weitere Bände freuen (laut Klappentext soll es eine sieben-teilige Serie werden) und eine Verfilmung in Arbeit ist angekündigt. Das Buch selbst ist im schönen Hardcover mit Bändchen und erhabenen Goldlettern erschienen.

18.9.16 J. D.

Freitag, 5. August 2016

Eine KI als Protagonist – mal anders

Eine KI als Protagonist – mal anders


 

Ancillary Justice
Imperial Radch #1
von Ann Leckie



Deutsche Übersetzung:

Die Maschinen – ein Roman aus einer fernen Zukunft, erschienen im Heyne Verlag

Oldie, but Goodie

„Tia – das Raumschiff, das sich verliebte“
aus Anne McCaffrey’s "Gehirnschiff"-Reihe (Brain & Brawn Ship Series), geschrieben zusammen mit Mercedes Lackey

Ursprünglich bei Bastei-Lübbe erschienen





Freitag, 15. Juli 2016

Schiffbruch irgendwo in der Galaxie

Amie Kaufman ; Meagan Spooner

https://www.carlsen.de/hardcover/these-broken-stars-lilac-und-tarver/71163These Broken Stars (1)
Lilac und Tarver

(These Broken Stars)
Carlsen-Verlag
ISBN: 978-3551583574


Tarver ist ein gefeierter Kriegsheld aus einfachen Verhältnissen, Lilac die Tochter des reichsten und einflussstärksten Mannes der Galaxie. Nach einer flüchtigen Begegnung, bei der noch alle Möglichkeiten offen scheinen, zeigt sich, das eine Verbindung zwischen ihnen niemals möglich wäre. Doch dann geschieht ein Unglück und das Raumschiff, mit dem die Beiden reisen, stürzt einer Katastrophe entgegen. Sie stranden gemeinsam auf einem unbewohnten Planeten, irgendwo in der Galaxie. Nun müssen sie sich zusammen raufen, um gemeinsam um ihr Überleben zu kämpfen. Für den Kriegsheld kein Problem - doch was ist mit dem verwöhnten Mädchen aus reichem Hause? Und was geht auf dem Planeten vor sich? Warum kreisen nicht längst Rettungstrupps über der Absturzstelle?

Die Geschichte um dieses Paar ist packend erzählt und auch flüssig und locker geschrieben. Sie wechselt zwischen dem nüchtern und praktisch denkenden Tarver und der, im Schatten ihres einflussreichen Vaters stehenden, Lilac. Der Verlauf der Geschichte entwickelt sich spannend, wobei das Augenmerk sicher eher auf den Charakteren und ihren Hintergründen liegt, als auf dem Aspekt der Raumschiffe und anderer Technik. Ich würde es daher getrost als Science-Fantasy bezeichnen. Es gibt zwei weitere Bände (bislang nur in Englisch), bei der die Handlung um jeweils andere Paare geht. Die Geschichte um Lilac und Tarver ist mit diesem Band durchaus in sich abgeschlossen, wird aber in den Folgebänden durchaus noch weiter verfolgt. Ich habe das Lesen sehr genossen und werde mein Glück auch mit dem zweiten Band probieren, sobald er in Deutsch erschienen ist. (Er erscheint laut Carlsen-Verlag am 25. November 2016)



13.7.16 J. D.

Montag, 11. Juli 2016

Zauberlehrling - und nein, wir reden nicht von Harry Potter

Johann Wolfgang von Goethe
Sabine Wilharm




ISBN: 978-3934029255


"Hat der alte Hexenmeister...."

Die Ballade vom Zauberlehrling, der seine magischen Fähigkeiten überschätzt und den Zauber zwar starten, aber nicht wieder beenden kann, gehört zu den Klassikern der Weltliteratur. Viele werden den Text schon in der Schule behandelt haben und meist hat man automatisch eine Abneigung gegen Texte, zu denen man in der Schule verpflichtet wird. Schade.... denn die Ballade ist großartig und man kann sie durchaus zu Phantastik zählen.

Der Kindermann Verlag bereitet Weltliteratur kindgerecht auf und schafft es durch ihre tollen Bücher, die jungen Leser für Klassiker zu begeistern. Wir haben bereits "Ein Sommernachtstraum" und "Faust" vorgestellt. Nun liegt uns der Zauberlehrling vor und auch hier gelingt es dem Kindermann Verlag, dank der wunderbaren Zeichnungen von Sabine Wilharm, die Ballade auch für junge Leser spannend zu gestalten. 

Zauberlehrling und Besen sind lustig gestaltet und die Zeichnungen geben die Handlung mit vielen schönen Details wieder. Der Hexenmeister mit seinem großen Kopf erscheint fast ein wenig gruselig, aber hemmt nicht die Begeisterung für das Buch. Die modernen Zeichnungen im Comic-Stil verbinden den klassischen Text wundervoll mit unserer modernen Zeit.  
Ein klassische Ballade in neuem Gewand - besonders für Kinder geeignet aber auch von Erwachsenen gern gelesen. 




Mittwoch, 22. Juni 2016

Unsere Gene und wir...




Infernale (Band 1)
Uninvited

ISBN 978-3-7855-8167-4


Das Jahr 2021 in den USA. Die Zahl der Straftaten und Amokläufe ist über die Jahre drastisch angestiegen. Als Reaktion darauf führt die US-Regierung an der gesamten Bevölkerung Gentests durch. Träger eines bestimmten Merkmals, welches im Zusammenhang mit den Vorfällen bei den Tätern ermittelt wurde, werden von der Zivilbevölkerung separiert und mittels elektronischen Fußfesseln überwacht. In schweren Fällen erfolgt eine besondere auffällige Kennzeichnung, um den Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten.

Davy ist hochbegabt. Schon als kleines Kind konnte sie mühelos schwierige Klavierstücke spielen. Vor ihr liegt eine glänzende Zukunft, die Zusage von der renommierten Julliard-Universität ist ihr sicher. Doch von einem Tag auf den anderen bricht ihre Welt zusammen. Sie wurde positiv auf das Mördergen HTS getestet. Ihre Schulkameraden und Freunde wenden sich von ihr ab, selbst ihre Eltern behandeln sie plötzlich anders. Davy kann nicht glauben, dass sie imstande sein soll einen Menschen töten zu können. Unterdessen verschärft sich die Lage für die Träger immer mehr und auch Davy bleibt davon nicht unberührt.

Sehr lebendig schildert Sophie Jordan Davy's Erleben der sich überschlagenden Ereignisse in ihrem Leben, ihre eigenen Vorurteile und ihr Misstrauen gegenüber den Trägern, Menschen, die wie sie positiv auf HTS getestet wurden. Aber auch die Verletzungen, die ihr der Bruch zu ihren ehemaligen Freunden und ihrer Familie zufügt, werden deutlich. Wo die Abwärtsspirale endet, in der sie sich befindet, wird weder ihr noch dem Leser klar. Unvorhersehbar entwickelt sich die Geschichte, nervenaufreibend und auch mit etwas Romantik. Davy steht dabei den Ereignissen recht hilflos gegenüber, sie rebelliert nicht, sondern sie zieht sich zurück - sie selbst findet keinen Ausweg aus ihrer Situation. Zurück bleibt die Frage: Sind wir wirklich vorherbestimmt? Bestimmen unsere Erbanlagen unser Leben und darf man einen Menschen allein darauf reduzieren? Ein spannender Zukunftsroman über ein hochinteressantes Thema. Ungeduldig erwarte ich den 2. und wohl abschließenden Band.

15.6.16 J. D.

Samstag, 18. Juni 2016

Die Luna-Chroniken - Ein meisterhaftes Märchen im Science-fiction Gewand



Meyer, Marissa 

Die Luna-Chroniken 

Lunar-Chronicles


Band 1: Wie Monde so silbern (Cinder)
ISBN-13: 978-3551583352

Band 2: Wie Blut so rot (Scarlet)
ISBN-13: 978-3551582874

Band 3: Wie Sterne so golden (Cress)
ISBN-13: 978-3551582881

Band 4: Wie Schnee so weiß (Winter)
ISBN-13: 978-3551582898

Das Mädchen Cinder lebt mit ihrer Stiefmutter und ihren Stiefschwestern im asiatischen Staatenbund in einer fernen Zukunft. Sie hat es nicht leicht, denn sie ist zwar eine begnadete Mechanikerin, doch ihr Status als Cyborg und ihre Familie machen ihr das Leben schwer. Cyborgs werden als Ausgestoßene behandelt und haben praktisch keine Rechte. Doch ihr Leben ändert sich als Prinz Kai in ihren kleinen Laden stolpert. Bald schon überschlagen sich die Ereignisse.

Wer hier an ein bestimmtes Märchen denken muss liegt nicht falsch. Marissa Meyer kombiniert in den Luna-Chroniken eine spannende und romantische Dystopie mit klassischen Märchen. Mit jedem neuen Band spinnt sie die Geschichte weiter und eine weitere (Märchen-)Figur wird eingeführt. Dabei lassen sich die vier Bände gut und flüssig lesen. In der Zukunft, die sie beschreibt, haben die Kontinente auf der Erde Frieden geschlossen. Ein Rat, welcher aus Vertretern aller Kontinente besteht, entscheidet über die Belange der Erde. Auf Luna, dem Mond, gibt es jedoch eine Kolonie. Deren Bewohner, allen voran ihre grausame Königin, verfügen nicht nur über mentale Kräfte, sie haben auch nie ein Friedensbündnis mit der Erde geschlossen. Anfangs war ich beim 2. Band kurz irritiert, ich hätte gerne gleich über Cinder weiter gelesen, so sehr ist sie mir im 1. Band ans Herz gewachsen. Doch geht es hier erst mal mit Scarlet weiter. Sie und alle weiteren Protagonist(inn)en, die in den Folgebänden eingeführt werden, sind wirklich schön ausgearbeitet und sehr sympatisch, daher kann ich euch nur ans Herz legen, lasst euch darauf ein. Es lohnt sich!


16.6.16, J.D.