Übermorgenwelt-Bücher

Übermorgenwelt-Bücher

Mittwoch, 22. Juni 2016

Unsere Gene und wir...




Infernale (Band 1)
Uninvited

ISBN 978-3-7855-8167-4


Das Jahr 2021 in den USA. Die Zahl der Straftaten und Amokläufe ist über die Jahre drastisch angestiegen. Als Reaktion darauf führt die US-Regierung an der gesamten Bevölkerung Gentests durch. Träger eines bestimmten Merkmals, welches im Zusammenhang mit den Vorfällen bei den Tätern ermittelt wurde, werden von der Zivilbevölkerung separiert und mittels elektronischen Fußfesseln überwacht. In schweren Fällen erfolgt eine besondere auffällige Kennzeichnung, um den Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten.

Davy ist hochbegabt. Schon als kleines Kind konnte sie mühelos schwierige Klavierstücke spielen. Vor ihr liegt eine glänzende Zukunft, die Zusage von der renommierten Julliard-Universität ist ihr sicher. Doch von einem Tag auf den anderen bricht ihre Welt zusammen. Sie wurde positiv auf das Mördergen HTS getestet. Ihre Schulkameraden und Freunde wenden sich von ihr ab, selbst ihre Eltern behandeln sie plötzlich anders. Davy kann nicht glauben, dass sie imstande sein soll einen Menschen töten zu können. Unterdessen verschärft sich die Lage für die Träger immer mehr und auch Davy bleibt davon nicht unberührt.

Sehr lebendig schildert Sophie Jordan Davy's Erleben der sich überschlagenden Ereignisse in ihrem Leben, ihre eigenen Vorurteile und ihr Misstrauen gegenüber den Trägern, Menschen, die wie sie positiv auf HTS getestet wurden. Aber auch die Verletzungen, die ihr der Bruch zu ihren ehemaligen Freunden und ihrer Familie zufügt, werden deutlich. Wo die Abwärtsspirale endet, in der sie sich befindet, wird weder ihr noch dem Leser klar. Unvorhersehbar entwickelt sich die Geschichte, nervenaufreibend und auch mit etwas Romantik. Davy steht dabei den Ereignissen recht hilflos gegenüber, sie rebelliert nicht, sondern sie zieht sich zurück - sie selbst findet keinen Ausweg aus ihrer Situation. Zurück bleibt die Frage: Sind wir wirklich vorherbestimmt? Bestimmen unsere Erbanlagen unser Leben und darf man einen Menschen allein darauf reduzieren? Ein spannender Zukunftsroman über ein hochinteressantes Thema. Ungeduldig erwarte ich den 2. und wohl abschließenden Band.

15.6.16 J. D.

Samstag, 18. Juni 2016

Die Luna-Chroniken - Ein meisterhaftes Märchen im Science-fiction Gewand



Meyer, Marissa 

Die Luna-Chroniken 

Lunar-Chronicles


Band 1: Wie Monde so silbern (Cinder)
ISBN-13: 978-3551583352

Band 2: Wie Blut so rot (Scarlet)
ISBN-13: 978-3551582874

Band 3: Wie Sterne so golden (Cress)
ISBN-13: 978-3551582881

Band 4: Wie Schnee so weiß (Winter)
ISBN-13: 978-3551582898

Das Mädchen Cinder lebt mit ihrer Stiefmutter und ihren Stiefschwestern im asiatischen Staatenbund in einer fernen Zukunft. Sie hat es nicht leicht, denn sie ist zwar eine begnadete Mechanikerin, doch ihr Status als Cyborg und ihre Familie machen ihr das Leben schwer. Cyborgs werden als Ausgestoßene behandelt und haben praktisch keine Rechte. Doch ihr Leben ändert sich als Prinz Kai in ihren kleinen Laden stolpert. Bald schon überschlagen sich die Ereignisse.

Wer hier an ein bestimmtes Märchen denken muss liegt nicht falsch. Marissa Meyer kombiniert in den Luna-Chroniken eine spannende und romantische Dystopie mit klassischen Märchen. Mit jedem neuen Band spinnt sie die Geschichte weiter und eine weitere (Märchen-)Figur wird eingeführt. Dabei lassen sich die vier Bände gut und flüssig lesen. In der Zukunft, die sie beschreibt, haben die Kontinente auf der Erde Frieden geschlossen. Ein Rat, welcher aus Vertretern aller Kontinente besteht, entscheidet über die Belange der Erde. Auf Luna, dem Mond, gibt es jedoch eine Kolonie. Deren Bewohner, allen voran ihre grausame Königin, verfügen nicht nur über mentale Kräfte, sie haben auch nie ein Friedensbündnis mit der Erde geschlossen. Anfangs war ich beim 2. Band kurz irritiert, ich hätte gerne gleich über Cinder weiter gelesen, so sehr ist sie mir im 1. Band ans Herz gewachsen. Doch geht es hier erst mal mit Scarlet weiter. Sie und alle weiteren Protagonist(inn)en, die in den Folgebänden eingeführt werden, sind wirklich schön ausgearbeitet und sehr sympatisch, daher kann ich euch nur ans Herz legen, lasst euch darauf ein. Es lohnt sich!


16.6.16, J.D.

Dienstag, 14. Juni 2016

Tiefe Abgründe und düstere Zeiten

Olivia Woods

Star Trek: Deep Space Nine - 9.02

Entsetzliches Gleichmaß

Star Trek - Deep Space Nine #66: Fearful Symmetry

Cross Cult  
ISBN: 978-3-86425-171-9

In diesem Deep Space 9 Buch, dem 2. Band der 9. Staffel, werden die Ereignisse aus dem letzten Teil, "Kriegspfad", fortgesetzt. 



Captain Kira und Leutnant Ro konnten nach der Attacke des Jem Hadar Taran'atar dem Tod nur knapp entkommen. Während Ro sich trotz ihrer schweren Verletzung noch vom Krankenlager aus, sehr zum Leidwesen ihrer Ärzte, in die Arbeit stürzt, ist Kira, wenn auch noch nicht völlig gesund, doch zumindest schon wieder auf den Beinen. Endlich ist der Drahtzieher des Anschlags erkannt. Es ist niemand anderes als Iliana Gehmor, die Tochter des cardassianischen Legaten. Sie sollte während der Besatzungszeit Bajors im Auftrag des obsidanischen Ordens Kira beim bajoranischen Widerstand ersetzen. Als Kira bei Sternzeit 2371 (Ep.: Die zweite Haut) nach Cardassia entführt wurde, glaubte man auf DS9, auch aus Mangel an Beweisen, dieser Plan hätte so nie existiert. Vielmehr dachte man, dass es sich um eine Lüge gehandelt hätte, um Kira von ihrer Rolle als Iliana Gehmor zu überzeugen. Dadurch sollte der Dissident und ihr Vater, Tekehny Gehmor, durch die Bedrohung seiner angeblich wieder aufgetauchten Tochter als Feind des obsidanischen Ordens und der cardassianischen Militärpolitik überführt werden. Doch nun muss Kira einige bittere Wahrheiten über ihre Vergangenheit erfahren und sie durchlebt verschollene Erinnerungen mit Hilfe eines Drehkörpers. Diese Ereignisse werden durch das Auftauchen eines Gegenstücks von Iliana aus dem Spiegeluniversum noch brisanter. Diese Iliana deckt einen schrecklichen Plan ihres Gegenstücks aus unserem Universum auf. Für den aus dem Himmlischen Tempel heimgekehrten Sisko ergeben sich düstere Fehlnisse und er schickt ein Mitglied der DS9 Besatzung mit einem geheimen Auftrag auf die Reise.



Der zweite Teil des Buches erzählt Ilianas Geschichte. Der Leser erfährt von ihrem Leben auf Cardassia und was eine junge, talentierte Künstlerin, ohne große Ambitionen fürs Militär oder den Orden verleitet hat, sich dennoch dem obsidianischen Orden anzuschließen und sich für eine radikale Geheimoperation auf dem damals noch annektierten Bajor zu melden. Außerdem wird beschrieben, wie grauenhaft sich ihr Leben dadurch entwickelt hat. Ein alter Bekannter hatte hier seine Finger im Spiel... und ein weiteres Mal werden düstere Details aus der Besatzungszeit enthüllt. Hier endet Teil zwei, und lässt den Leser mit der Frage zurück, was für finstere Pläne Iliana für das Spiegeluniversum (und nicht nur allein das) hegt und was sie auf diese Spur gebracht hat.



Es geht nahtlos und spannend weiter, auch nach der achten, nur in Buchform existierenden Staffel von Deep Space Nine. Nach dem Staffelauftakt der 9. Staffel mit "Kriegspfad", in dem sich die Ereignisse überstürzten und die Besatzung teils schwer verletzt oder tief getroffen, teils in eine verbissene Jagd nach den Übeltätern verwickelt, zurückblieb, sind noch nicht alle Gräben wieder geschlossen, die durch die Ereignisse entstanden sind. Und die Besatzung gönnt sich wenig Zeit zum Aufatmen, als schon die nächste, geballte Ladung an Ereignissen vor der Tür steht. Dieser Band war wieder ein spannendes Lese- vergnügen, wenn auch nicht in dem hohen Maß stimmig, wie die Bände der 8. Staffel. Er ist aufgeteilt in zwei Hälften. Schade nur, das in einer Buchhälfte leider auch nur die Hälfte erzählt werden kann, wenn auch von zwei Seiten. Es war mal wieder viel zu schnell vorbei. Die Ereignisse aus Bajors und Kiras Vergangenheit greifen auch hier gut ineinander und auf die geschilderten Geschehnisse aus dem "Terok Nor" Dreiteiler sowie diverse Folgen der TV-Serie zurück. Wie ein Puzzle fügen sich hier nun immer mehr Details perfekt ein. Wie auch in "Ein Stich zur rechten Zeit" ist ebenso die Geschichte zu Ilianas Vergangenheit mal wieder ein spannender Einblick in die cardassianische Gesellschaft. Wenn auch nicht so tief, dann doch im Kontext der Ereignisse um so spannender. Wer bisher keinen Hass für einen bestimmten Charakter gehegt hat, dem wird es nach diesen Ereignissen möglicherweise auch so ergehen. Ich bin gespannt wie es weiter geht und stürze mich als nächstes auf Band 9.03: Der Seelenschlüssel.




17.7.13 J.D.

Donnerstag, 9. Juni 2016

Das, was in uns steckt...



ISBN-13: 978-3863960704


Iolan wächst zusammen mit seinen Ziehgeschwistern in einem kleinen Fischerdorf auf. Doch am Tag seiner Mannbarkeitszeremonie wird das Dorf von Soldaten des Königs in Schutt und Asche gelegt. Der geheimnisvolle Arastoth, der Iolan über die Jahre immer wieder besucht hat, kann ihn und seine Schwester jedoch retten. Arastoth eröffnet ihm, das der König auch seine Eltern ermordet hat. Iolan schwört Rache. Doch bald schon bekommt er erste Zweifel an Arastoths Worten. Ist dem geheimnisvollen und mächtigen Mann wirklich zu trauen?

Mit vielen und ungewöhnlichen Namen schickt Bernd Perplies uns in eine abenteuerliche, antike Fantasy-Welt. Das 1. Kapitel ist ein reiner Prolog, der erst mal etwas Verwirrung stiftet ob der unbekannten Rassen und Namen. Ab dem 2. Kapitel begegnen wir dann endlich unserem jungen Helden, der noch nichts von den Abenteuern ahnt, die auf ihn zukommen werden. Bald jedoch überschlagen sich die Ereignisse und die Handlung springt dann immer wieder zwischen den verschiedenen Charakteren.

Alles in allem ist das Buch durchaus spannend geschrieben, aber inhaltlich und auch von der Handlung stellenweise noch ausbaufähig. Ich persönlich hätte es auch gut gefunden, wenn Herr Perplies gerade im 1. Kapitel seine Welt etwas näher erläutert hätte. Die unterschiedlichen Rassen und ihre Fähigkeiten sind leider nicht ganz selbst erklärend, dazu die ungewöhnlichen, antiken Namen...da hätte ein besserer Einstieg kommen sollen. Wenn man aber erst den Hintergrund der Welt und die Charaktere überblickt, dann ist es eine schöne Geschichte. Ich bin durchaus gespannt wie es weiter geht, denn ich denke mit den interessanten Rassen dieser Welt und gerade Iolans Fähigkeiten und seiner Postition sind die Chancen gut, das der 2. Band durchaus lesenwert wird.


9.6.16 J. D.

Mittwoch, 1. Juni 2016

Hat jeder eine ganz private Hölle für sein Leben nach dem Tod?


„More Than This“

cbt – Verlag
ISBN: 978-3570162736


Seth ist 16 Jahre alt und seine Geschichte beginnt mit seinem Tod. Seth ertrinkt im Meer – er bricht sich zuerst das Schulterblatt und dann das Genick als er von den Wellen auf einen Stein geworfen wird.

Er erwacht in einer leeren Welt, alles ist von einer Staubschicht bedeckt, die Reifen der umstehenden Autos sind allesamt platt und es ist keine andere Person weit und breit zu sehen. Noch dazu wird er vor dem Haus in England wach, in dem er aufgewachsen ist, dass sie jedoch bereits vor 8 Jahre in Richtung Amerika verlassen hatten. Es muss seine persönliche Hölle sein, denn die Erinnerungen, die Seth mit diesem Haus verbindet und die ihn seither verfolgen, sind alles andere als glücklich und haben nicht nur sein Leben für immer verändert. Für die Hölle, wie man sie sich gemeinhin vorstellen würde, sind einige Dinge allerdings seltsam… er verspürt Durst und Hunger und er muss auch zur Toilette…

Viel mehr möchte man über die Geschichte von Patrick Ness auch gar nicht erzählen, denn allzu leicht verrät man hier Details, die lange unbekannt bleiben in dieser überaus spannenden Story. Der Autor kreiert eine dystopische Welt oder eine private Hölle für Seth, die möglicherweise auch einfach nur in seinem Kopf stattfindet. Genau diese Aspekte bieten die Spannung in einem weiteren großartigen Roman von Patrick Ness. Wie auch schon in seiner Trilogie „New World“ eröffnet Patrick Ness dem Leser die Gedankenwelt des Protagonisten und schafft es so, dem Leser einen Einblick zu ermöglichen, der mit anderen Mitteln nie diese Tiefe erreichen könnte. Der psychologische Hintergrund des Hauptcharakters offenbart sich dem Leser nach und nach, doch selbst nach einigen Wendungen der Erlebnisse ist man sich doch nie sicher, ob die eigene aktuelle Interpretation nun tatsächlich der „Realität“ der Geschichte entspricht. Und genau diese Unsicherheiten und Fragen treiben den Leser voran. 
Die Auflösung am Ende ist, meiner persönlichen Ansicht nach, leider etwas enttäuschend und ähnelt zu sehr einer bekannteren Geschichte. Doch für „Mehr als das…“ gilt ganz klar die Devise, der Weg ist das Ziel und die spannende Handlung ist definitiv einen Ausflug in die Welt von Seths Hölle wert.

Der Roman wird vom Verlag ab 14 Jahren empfohlen und dieses Mindestalter ist für das Verständnis der Geschichte auch aus meiner Sicht zu empfehlen.

Der amerikanische Autor Patrick Ness lebt seit den 90er Jahren in London und arbeitet als Literaturkritiker für die Zeitung "The Guardian". Unter anderem erhielt er für seine Werke den Deutschen Jugendliteraturpreis 2012, den Costa Children'S Book Award und als erster Autor überhaupt die Carnegie Medal und den Kate Greenway Award.


g.winter