Übermorgenwelt-Bücher

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Donnerstag, 1. Dezember 2016

Es weihnachtet sehr!






„All überall auf den Tannenspitzen
sah ich goldene Lichtlein sitzen …“

Wer kennt das nicht?
Erneut liegt uns mit Theodor Storms „Knecht Ruprecht“ ein Klassiker vor. Ein Weihnachtsklassiker, zur rechten Zeit vor dem Advent herausgegeben vom Kindermann Verlag in seiner Reihe „Poesie für Kinder“.

Die Gedichtzeilen von 1862 werden einmal mehr von unglaublich detailreichen Zeichnungen des bekannten Illustrators Klaus Ensikat begleitet, dessen Stil auch hier wieder wunderbar zur jener Zeit passt.
Zu jener Zeit? Weit gefehlt. Um das Gedicht Kindern näher bringen zu können lässt Ensikat Knecht Ruprecht in unserer heutigen Zeit durch einen Ort im vorweihnachtlichen „Rummel“ ziehen, genauso, wie wir es alle nur zu gut kennen. Mit einem Weihnachtsmarkt und vielen Menschen, die mal ernst, mal belustigt, mal skeptisch, aber meistens unbeteiligt dem Fremden im roten Mantel und dem großen Sack hinterherschauen. Überhaupt sind es die dargestellten Menschen, die einen in den Bann ziehen, die Gesichter der Erwachsenen und vor allem auch die der Kinder. Darin ist nichts verklärt, man sieht Neugierde, Staunen, Lachen, aber auch freches Grinsen, Misstrauen oder gar Ablehnung, Szenen, nah an der heutigen Wirklichkeit.
Ganz besonders fällt der allzu menschliche Gesichtsausdruck Knecht Ruprechts auf, er ist nicht entrückt oder erhaben und grimmig schaut er nur die Rute an. Dieser Knecht Ruprecht, in unsere Zeit versetzt, ruft keine Angst hervor, keine Ehrfurcht, er trägt gestrickte Handschuhe mit einem netten Schneeflockenmotiv in Pastellfarben und wird manchmal von paar Spatzen durch die Straßen begleitet.

So gibt es sehr viel zu entdecken in diesem Buch für Kinder, aber auch für Erwachsene. Ensikats Bilder lassen einen zuweilen schmunzeln, machen aber auch nachdenklich. „Knecht Ruprecht“ eignet sich gut, um es mit seinen Kindern zusammen anzuschauen und dabei das Gedicht vorzulesen, so dass sie die Zeilen nicht (nur) auswendig lernen (und erst später vielleicht auch mal als sprachlich schön begreifen), sondern mit der alten Sprache etwas Lebendiges, z.T. auch Lustiges, durchaus ins Heute Versetzbares verbinden können. So aufbereitet werden Groß und Klein an Theodor Storm Spaß haben und gleichzeitig eine weihnachtliche Stimmung verspüren können, die aus den bekannten ersten Zeilen des Gedichtes ungebrochen strahlt: „Von drauß vom Walde komm ich her …“
Mit diesem Walde, wahrlich phantastischen und wundervoll illustriert, beginnt auch das Buch, am Ende gibt es kompakte Informationen zu Theodor Storm, Knecht Ruprecht und Klaus Ensikat, eine ganz runde Sache.
Wer also noch auf Geschenkesuche ist: ein sehr schönes, außergewöhnliches und empfehlenswertes Werk, auch für Erwachsene!
Ich jedenfalls habe durch das Buch, dank der Umsetzung durch Klaus Ensikat, beide neu und wiederentdeckt: Theodor Storm und den Knecht Ruprecht.


01.12.2016
GH

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